Kurzstellungnahme der S4F München zu AKW Isar 2 (Dezember 2024):


Kann die Wiederinbetriebnahme des AKW Isar 2 die bayerischen Klimaziele retten?

Den Entwurf des Bayerischen Klimaschutz-Gesetzes bezeichneten die S4F München 2020 nach gründlicher Analyse als „Feigenblatt“. Ende 2024 belegen die Fakten, dass selbst der Verhüllungs-Zweck nicht erfüllt wird: Die ehrgeizigen bayerischen Ziele – eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 65% bis 2030 und Netto-Klimaneutralität bis 2040 – werden bei einem „Weiter so“ erst Jahrzehnte später erreicht. Ähnlich wie im Bund muss, so will es das Gesetz, bei Hinweisen auf Verfehlen der ersten Zielmarke ein Koordinierungsstab, bestehend aus Staatskanzlei und Ministerien „steuernde Maßnahmen“ vorschlagen. Laut Gesetz im Jahr 2025. Die Äußerungen des Ministerpräsidenten Markus Söder, das Atomkraftwerk Isar 2 solle aus Klimaschutzgründen weiterbetrieben werden, scheinen von daher wohl begründet. Im Weiteren lassen wir Bedenken technischer, ökonomischer und juristischer Natur einmal außen vor. Wir fokussieren uns hier nur auf die Frage: Sind die Bayerischen Klimaziele mit der Wiederinbetriebnahme von Isar 2 zu retten?

Wir nehmen hierzu eine einfach nachvollziehbare Berechnung vor: Das AKW Isar 2 hat in der Vergangenheit ca. 12 TWh elektrische Energie pro Jahr zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2023 haben die fossilen Energieträger Kohle und Gas für jede kWh elektrische Energie im gewichteten Mittel1 0,73 kg CO2 emittiert. Somit würde ein Weiterbetrieb von Isar 2 ca. 8,7 Mio. t CO2 pro Jahr vermeiden. Die Grafik zeigt, auf welchem Emissionsminderungspfad sich Bayern befindet und wie sich ein Weiterbetrieb von Isar 2 auswirkt. Reduzieren sich die Emissionen wie im Zeitraum 1990 bis 2022, dann würden das Netto-Null-Ziel erst im Jahr 2140 erreicht. Legt man die Reduktionsgeschwindigkeit ab 2018 zugrunde, als Klimaschutzmaßnahmen sichtlich zu greifen begannen, erreicht Bayern dieses Ziel im Jahr 2075.

Bezieht man die durch Isar 2 einsparbaren Emissionen ein, rückt die Zielerreichung ganze 6 Jahre näher – auf das Jahr 2069. 2025 muß die Bayerische Staatsregierung „steuernde Maßnahmen“ vorschlagen, aber Isar 2 wird die bayerischen Klimaziele nicht retten.

Kontakt: Dr. Manuela Troschke koord@s4f-muenchen.de


Wirf einen Blick auf die Liste der Veröffentlichungen der S4F München: https://www.researchgate.net/profile/Scientists-For-Future-Muenchen